Freitag, 18. Dezember 2015

Weihnachtsreklame

Aus aktuellem Anlass und falls noch jemand von Euch nicht weiß, was er lieben Freunden und Verwandten unter den Weihnachtsbaum legen soll, hier mal ein kleiner ganz uneigennütziger Geschenkevorschlag ;)

Euer Frollein mit dem Hang zu subtiler Einkaufsberatung ;)

Erhältlich hier:
http://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/frollein_eves_sicht_der_dinge/frollein_eve/ISBN3-86386-480-8/ID36080013.html

oder hier:
http://www.amazon.de/Frollein-Eves-Sicht-Dinge-Eve/dp/3863864808/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1450441109&sr=1-1&keywords=Frollein+Eve




Donnerstag, 3. Dezember 2015

Skistiefel und Einrichtungszeitschriftenhals

Liebe Leser,

ich hab Fuß! Aua! Einmal nicht aufgepasst, wo man hintritt und schon ist der Fuß angebrochen. Na immerhin nicht ganz gebrochen, aber ich muss trotzdem Ruhe geben. Und einen Skistiefel anziehen. Das trägt man jetzt so. Die Alternative zum Dauergips. Find ich jetzt gar nicht mal so blöd. Tagsüber stiefelt man halt mit einem Skistiefel ohne Ski rum, und abends geht man ganz normal ins Bett und der Skistiefel schläft im Schuhregal. Damit vermeidet man auch den Schreckmoment der Gipsabnahme. Kennt Ihr den? Ich kenn es ja nur vom Hörensagen, aber wenn einem ein Beingips abgenommen wird, dann kommt nicht das Bein zum Vorschein, das man beim Eingipsen reingesteckt hat, sondern ein spindeldürrer haariger weißer Faden, der einmal Dein Bein war. Da schreist Du schon erst mal "Huha!" aber Dank gekonnter Skistiefeleien gibt es keinen Huha-Effekt. Aber viele Haha-Effekte von witzigen Kalauer-Meiern, die einen auf offener Straße darauf hinweisen, dass man die Ski vergessen hat. Spaßbertel! Ansonsten stiefel es sich damit ganz unkompliziert, an der Farbe könnte man noch was drehen,
 kommt halt in Neutralgrau daher, aber da will ich jetzt mal ein farblich passend geschminktes Smokey-Eye zudrücken ;).

Wenn man natürlich nicht wie ein Reh herumspringen kann, muss man sich Alternativen einfallen lassen. Die Alternative heißt in dem Fall: Zeitschriften lesen. Ich habe am Wochenende einen Stapel Einrichtungszeitschriften geschenkt bekommen, die eine da, ich nenne jetzt keinen Namen, es gibt aber nur eine Einrichtungszeitschrift, die gleichzeitig auch Frauenzeitschrift ist und die am Anfang echt gut war. Mittlerweile find ich sie...ja, wie find ich sie? Sie macht mich echt aggressiv. Wirklich jetzt. Weil es immer dasselbe Schema ist: Bloggerbommelmädchen mit Riesenbrille bastelt ein bisschen DIY-ig in ihrer Studentenbude rum und fertig ist das Hipsterhaus nach Schema F.
Ich hab es ja noch nie überrissen. Da werden immer Stühle als ultimatives Designerstück angepriesen, bei deren Anblick ich mir denke "Kenne ich die nicht aus diversen Wartezimmern?" So unspektakuläre Plastikstühle, vielleicht noch in 3 verschiedenen Farben um den Küchentisch vom Flohmarkt gestellt, dazu noch die obligatorische Stehlampe, die den Platz eines ganzen Zimmers einnimmt und unter der man Limbo tanzen muss, um mit selbstgestrickten Cakepops von der Couch (vom Flohmarkt, natürlich selbst gepolstert), zum Shabby-Chic Sekretär, auf dem eine Batterie bunter Flaschen steht, zu kommen. Ich fühle mich unter Druck gesetzt.
Wie machen die Bloggerbommel das, dass die Glasflaschen mit bunten Wiesenblumen immer schön sauber bleiben. Wenn ich bunte Wiesenblumen in eine Glasvase stelle, schmonzt die über Nacht zu und nach 2 Tagen ist da kein Durchkucken mehr.
Es nervt. Die vorgestellten Lofts immer gleicher Pärchen (er Designer oder Architekt, sie Schmuckdesignerin) mit immer gleichen Stehlampen, immer gleichen Sideboards auf denen immer gleiche Dekoartikel vom Flohmarkt stehen und über denen immer gleiche x-verschiedene Bilderrahmen mit immergleichen Drucken hängen, wahlweise Bilderrahmen zum Aufkleben direkt an die Wand darunter- revolutionär.
Revolutionär langweilig. Oder spricht hier nur der Neid aus mir? Weil wenn ich mich umschaue in meiner Weitwegvonhipsterbude sehe ich Wollmäuse verschiedener Größe und Couleur, ein Sack Altpapier, der immer nicht von alleine zur Papiertonne gehen will, ein Stapel Bücher, der nicht mehr ins Bücherregal passt und sich trotz farblicher Sortierung (ja, ich sortiere meine Bücher nach Farben) nicht harmonisch ins Gesamtbild einfügen will, dazu eben noch die Wiesenblume, die fröhlich die Glasvase (nicht bunt) zuschmonzt. Wann wird das mal hip? Ich wär ja ganz vor dabei dann. Frollein Eve, Texterin und Illustratorin mit Skistiefel, in ihrer Stadtwohnung drei Stockwerke unterhalb von Lofthöhe, mit Fenstern mir Vorhängen, kunstvoll arrangierten Wollmausgebilden, natürlich eingefärbten Glasvasen und stylishem Altpapierarrangement in Türnähe. Ich schreib da jetzt mal hin. So als Vorschlag. Aber vorher binde ich meinen Skistiefel noch zum Bloggerbommel. ;)

Euer Frollein gestiefelte Wollmaus







Mittwoch, 28. Oktober 2015

Bussi Bussi und ein schlaffer Händedruck

Also man kann es mir auch nicht rechtmachen, gell. Ihr kennt das doch auch, dieses Bussi Bussi zur Begrüßung. Gruselig. Noch gruseliger, wenn es sich um reine Luftküsse handelt, wofür der Aufwand dann? Nein, nein, bei Bussi Bussi-Versuchen reagiere ich wie eine Katze, die zum Tierarzt muss: Ohren anlegen und wegducken, zur Not sich mit Gewalt in den Türrahmen spreizen. Sieht seltsam aus, ist aber so.
Ich denke das kommt daher, dass es sich hierbei um eine künstliche Herzlichkeit handelt, man küsst doch normalerweise nur Leute, die man gut kennt und gerne mag oder aber als Teenie auf Teeniepartys beim Flaschendrehen. Aber fast Unbekannte? Küssen? Huh, nee, jetzt, nicht so was machen.
Ich weiss noch, dass ich in der Schule beim Schüleraustausch mit den Franzosen mit Grauen die tägliche Abschmatzerei an der Bushaltestelle über mich ergehen lassen musste und mir dabei immer gedacht habe "Scheiße, Herpesalarm!!" Nein, ich mag es einfach nicht. Und jetzt nicht, weil ich als alter Exilfranke mich den hiesigen Gepflogenheiten angepasst habe, bei denen ein gemumpfeltes "Morgen" bereits ein Springbrunnen an euphorischer Begrüßungsherzlichkeit ist.
Ich mochte das schon auch vorher nicht, als ich noch nicht in Franken beheimatet war. Weil es einfach aufgesetzt ist, künstlich. Und ich damit nichts anfangen kann. Entweder begrüßt man jemanden herzlich, indem man ihn in den Arm nimmt oder gar einen (einen!) Kuss auf die Wange, nicht in die Luft, drückt oder man sagt distanziert "Wäh", wenn man es auch so meint. Nicht?
Aber kommt mir nicht mit dem Showeffekt-Bussi Bussi, noch dazu, wenn man sich fast gar nicht kennt. Um die lieben Münchner hier mal zu entlasten: während meiner Zeit in München ist mir fast keiner mit dieser Unform an Begrüßung gekommen. Von wegen Schickeria und Bussi Bussi und so, nein nein, die Münchner sind schon ein feines Volk, die sich bei Begrüßungen zu benehmen wissen.
Es gibt nämlich auch Alternativen zu diesem albernem aufgesetztem Geschmatze: den guten alten Händedruck. Wenn er denn gut ist. Ein guter Händedruck ist wie eine Visitenkarte. Hinterlässt Eindruck, Abdruck oder Tiefdruck, je nach Druckstärke.
Ein Tiefdruckgebiet im Händedruckareal hat vor kurzem Gewitterwolken über meinem Kopf zusammenbrauen lassen, als ich bei einem mir bis dato unbekannten Facharzt war, der mir zur Begrüßung seine Schluffihand in meine Hand gelegt und toter Fisch damit gespielt hat. Huh, na, wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, diesen Mann als kompetenten Mediziner anzunehmen? Richtig, ging so gegen Null. Wie soll man jemandem etwas zutrauen, wenn er einen derart schlaffen Händedruck hat?
Warum lernt man so etwas nicht in der Schule? Ich kann jetzt dank monatelanger Stochastikmarathons prima Wahrscheinlichkeitsbäume ausrechnen, aber keiner hat einem gesagt, auf was es sonst noch ankommt. Erste Eindrücke zum Beispiel. Da brauch ich jetzt keine Stochastik, um mir auszurechnen, dass die Wahrscheinlichkeit, mich von einem Arzt mit dem Händedruck eines Kindergartenkindes nochmal behandeln zu lassen, gegen Null geht.
Ein guter Händedruck zeigt mir sofort, mit wem ich es zu tun habe, ohne dass ich mich vorher mit der jeweiligen Person unterhalten habe. Unbewusst ist das Urteil bereits gefällt, der Rest der folgt sind Details. Ich weiss jetzt allerdings nicht, ob die Schluffis untereinander dann die festen Händedrucker als blöde Grobiane abstempeln, mit denen sie eh nicht spielen wollen. Vielleicht sind das dann diejenigen, die sich lieber links und rechts die Luftküsse um die Ohren hauen, "muah muah" machen und sich dabei  nicht blöd vorkommen ;).
Ich glaub ich geh nochmal zu dem Arzt, werf ihm meine Bussis um die Ohren und wenn der mich dann geisteskrank schreibt, dann ist diese These hiermit auch widerlegt.

Ha, Euer Frollein Shake-Hands, das den Luftikussen dieser Welt durch geschickte Einspreizung im Türrahmen gerne aus dem Weg geht

Dienstag, 22. September 2015

Frollein Eves Modeillustrationen - Teil 5


Der Herbst ist eingeläutet, liebe Leser, von daher wieder Zeit, zum Pinsel zu greifen ;)






















Euer Frollein Pinselschwung und Zeichenstift, das eigentlich noch gerne ein bißchen mehr Sommer hätte 

Sonntag, 30. August 2015

Katersommer

wäre ja eigentlich ein schöner Buchtitel, nicht, liebe Leser? ;)
Ich hatte Euch ja schon geschrieben, dass ich adoptiert wurde. Vom Hinterhofkater. Zu meinem Entsetzen war er ein paar Tage später einfach weg. Weg! Uah! Nichts war mehr wie vorher, der Innenhof erschien grau und kalt, kein Busch hat mehr miaut, keine nächtlichen Jagden mehr mit der geringelten roten anderen Katze zu meinem Amusement (die geringelte rote Katze ist nämlich sehr schnell, während mein Hinterhofkater immer wendig wie ein Mississippidampfer schaukelnd hinterhergaloppiert) und kein Geschnurre und Kopfgereibe mehr. Und während ich "I will survive"-jaulend in den Hinterhof hineinspähte, nachdem das Katerkissen, das ich ihm extra hingelegt hatte seit Tagen unbeschnurrt war, war er auf einmal wieder da. Im Hinterhof. Hurra! Ich weiß nicht, wo er war, aber er hatte eine ziemliche Wampe. Ich schätze mal, seine Eltern haben ihn zu ein paar Tagen Hausarrest verdonnert, weil der alte Rennbesen wohl nur  noch zum Fressen daheim war. Aber da Katzenfreaks ja wissen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen Freigänger zu überreden, mal ein paar Tage zu Hause zu bleiben, wird das Projekt Hausarrest wohl auf Eis gelegt worden sein.  Seitdem haben wir da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten, nur dass man sich eben mit der Zeit auch besser kennenlernt.
Und wie es bei alten Ehepaaren so der Fall ist, entdeckt man die eine oder andere Macke am Anderen.
Aus Katersicht wohl "Lässt die mich nie in Ruhe, dauernd muss ich mich kraulen lassen, uah." Zum Fressen gibts nämlich nix, weil er ja jemandem gehört.
Z. B. wasche ich mir jedes Mal nach unserem Sit-In auf dem Katerkissen die Hände. Klar, ich weiß ja nicht, wo er sonst noch rumlungert. Mir ist aufgefallen, dass er wiederum jedes Mal nach unserem Sit-In auf dem Katerkissen anfängt, sich den Kopf zu putzen (er bevorzugt Streicheleinheiten auf seinem Katerkopf, mit dem Rücken hat er nicht viel am Hut). Klar, er weiß ja nicht, wo ich sonst noch so herumlungere.
Spätabends, wenn es schon dunkel wird, wird der haarige Herr immer leicht nervös. Heißt, er wedelt immer mit dem Schwanz wenn er auf meinem Schoß sitzt und hält seinen Katerkopf schön aufmerksam hoch, denn es kann ja sein, dass jederzeit der rote Ringelkater wieder ins sein Revier gepirscht kommt. Dann ist nämlich Schluß mit Schmusekurs. Das merkt man daran, dass er anfängt, zu knurren. Normalerweise, wenn er keinen Bock mehr auf Streicheln hat, haut er einfach ab. In seiner Abendstunde bleibt er allerdings sitzen und knurrt. Klar reizt es mich, meine Grenzen auszutesten, weil ich ja weiß, dass er kein grober Lackl ist, der plötzlich haut oder beißt. Neues Spiel: Abendstunde, nervöser Kater auf dem Schoß, der keinen Bock mehr auf Kraulen hat, aber auch nicht abhaut. Kopfkraulen, Knurren, Kopfkraulen, Knurren, Kopfkraulen, Knurren, Kopfkraulen, Fauchen. Und dann abhauen. Aha.
Gestern habe ich ihn im Gegenwart einer braunen Ringelkatze in seinem Hinterhofrevier gewagt, zu streicheln. Das hatte in etwa was von "eine Mama bringt ihr Kind zur Schule und gibt ihm vor den Schulkameraden noch einen fetten Kuss auf den Kindskopf". Empörter Hinterhofkaterblick und wortloses Abzischen einen halben Meter weiter. Ich bin natürlich nach und habe ihn nochmal gestreichelt. Daraufhin Gefauche (Mann, Mama, jetzt geh weg, das ist peinlich). Haha.
So läuft das also hier im Hinterhof. Da meint man es gut, bringt dem undankbaren Balg noch seinen Turnbeutel und wird dafür angefaucht. Also wirklich, man hat es nicht leicht als katzenadoptierter Mensch. ;)

Ich geh jetzt wieder nach unten, weitere Macken entdecken.

Euer Frollein Adoptivkatzenmama, das dem Katzenkind machmal schon peinlich ist ;)

Mittwoch, 12. August 2015

Ein Kater am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Liebe Leserschaft,

es sei denn es ist ein alkoholischer Kater, der vertreibt aber nix, der treibt einen höchstens wieder ins Bett zurück mit Aspirin und Schlafbrille. Nun, ich spreche von echten Katern, denen aus Fell und Schnurrhaaren.
Ich wurde nämlich adoptiert, letzte Woche, jaja liebe Eltern, das habt Ihr nun davon, dass Ihr Euch ein Wohnmobil gekauft habt und Euch nur noch mit anderen Wohnmobilbesitzern auf den Straßen der Republik herumtreibt. Da lässt man das arme erwachsene Kind, das eh woanders wohnt, einfach im Stich und schon dauerts keine Woche, da wird es von einem Hinterhofkater adoptiert.

Es fing ja ganz unverbindlich an, so wie bei Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Ich ging spazieren, im Hinterhof. Auf einmal lag er da und sprach mich an. Klar bin ich drauf eingestiegen, was denkt Ihr denn? Ich finde es gibt die Katzenmenschen, die Hundemenschen und die Babymenschen und während andere in Kinderwägen hinein-eideideien, werde ich bei Katzen willensschwach und ferngesteuert und möchte den ganzen Tag nichts anderes mehr tun, als mich durch Katzenfell zu wühlen und dabei akustisch im Geschnurre zu baden. Haut mir ab mit Yoga und Pilates zur Entspannung, ich geh zur Katze.

Ja, da lag er nun, der junge Mann mit den Schnurrhaaren und hat sich vor mir auf den Rücken gerollt. Aber als alter Katzennerd weiß ich ja, dass es in diesem Fall nur zwei Möglichkeiten gibt, wenn man dem haarigen Kerl den Bauch kraulen will, wenn er sich schon so anbietet:
Möglichkeit 1: Er lässt sich den Bauch kraulen und wird dabei immer länger und streckt seine Gockerlhaxen (ich finde Hinterläufe bei Katzen sehen aus wie die Haxen beim Bratgockerl) in alle Richtungen.
Möglichkeit 2: Er tut so, als ob er sich den Bauch kraulen lässt und man fängt sich schneller eine, als man Fellwampe sagen kann.

Der Hinterhofkater und ich zogen Möglichkeit 1 vor. Zu meinem größten Entzücken. Mittlerweile wird das Bauchfell schon kahl vor lauter Gekraule, aber er will es ja nicht anders. Wir haben nämlich so unsere Routinen entwickelt.

Er sitzt unten im Hinterhof und sobald er mich auf meinem Balkon ausfindig macht, gibt er Laut. Ich schrei natürlich "Hallo Kater" und er "Miau". Die Konversation erinnert ein wenig an das 80er Jahre Lied "Wot" von Captain Sensible "He said Captain - I said wot - He said Captain - I said wot".
So geht das hin und her und er weiß mittlerweile  ganz genau, dass ich sofort runtergerannt komme und wartet bereits unter großem Katergebrüll an der Tür. Ich bin da schon dressiert.

Nicht dass es hier Missverständnisse gibt: er bekommt von mir nur H2OFreigetränke, kein Futter, da er offensichtlich gut gepflegt ist und irgendwo in der Nachbarschaft wohnt, da fände ich es nicht gut, ihn anzufüttern, er ist ja kein hungriger Streuner. Obwohl Katzen immer gerne so tun, als hätten sie seit Wochen nichts gefressen, aber er steht gut im Futter. Also sitzen wir an unserem Platz, er steigt mir sofort auf den Schoß und fängt an vor sich hin zu knistern. So geht das schon seit Tagen, und zwar nicht nur einmal am Tag. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, weiß ich, dass er im Busch sitzt. Ich stell mich dann vor den Busch und sage "Kaaater!" und der Busch schreit "Miau". I said Captain - he sait wot.
Dann kommt er kläglich miauend aber quietschfidel aus dem Busch, wir setzen uns hin, er erzählt mir, was bei ihm so alles im Busch ist und ich ihm, was bei mir so los war. Dann gehe ich auf meinem Balkon und drei Captain-Wots später sitze ich wieder unten.

Mittlerweile habe ich drei verschiedene Katzenoutfits, eins für Nachmittagshitze, eins für Abends und eins, weil ich die anderen beiden gerade nicht gefunden hatte, aber schnell nach untern wollte.
Alle bereits ziemlich haarig, ich sehe selbst schon aus wie eine Katze. Wenn mir ein mitleidiger Nachbar mal ein Schälchen Milch hinstellt, weiß ich, dass es Zeit für die Fusselbürste ist.

Aber das wollte ich Euch einfach nur kurz erzählen, ich hab ja keine Zeit, ich muss ja wieder, Ihr wisst schon ...

Euer Frollein Captain-Wot, das sich in ein paar Minuten wieder im Hinterhof mit dem miauenden Dornbusch unterhält

Mittwoch, 5. August 2015

Frollein Eves Kolumne für die Weight Watchers - Teil 8

Mein Fitbit und ich

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe jetzt einen Fitbit. Einen Fitbit One. Was jetzt klingt wie ein Schokoriegel, nur in sportlich, also so was wie ein Kitkat für Leute, die gerne einen Schokoriegel, der sich gesund anhört, essen möchten, ist in Wirklichkeit aber keiner. Sie können zwar reinbeißen, aber ich sag Ihnen gleich, dass der nicht schmeckt.
Nein, ein Fitibit ist ein kleines Gerät, das Ihnen sagt, wie viele Schritte sie heute gelaufen sind, wie viele Stockwerke sie erklommen haben und wie oft und lange sie nachts aufgewacht sind. Das sind die Basisinformationen. Wenn man den kleinen Kerl, den man sich unauffällig überall an die Klamotten klippen kann, richtig einstellt, kann der Ihnen bestimmt noch viel mehr erzählen, wie viele Pro Points sie verbraten haben zum Beispiel.
Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie technisch affin sind und ich muss Ihnen gestehen, ich bin es nicht. Ich habe nicht mal ein Smartphone.
Trotzdem fand ich ihn ganz schön schnieke. Unser Coach hat ihn sich immer ans Shirt geklippt und mir hat das Design sehr gut gefallen. Er ist ganz schmal und unauffällig, nicht so ein Riesenwatz.
Also musste einer her, ich wollte es unbedingt testen, dieses gut designte Schritte-und-Stockwerke-und-Pro Points-und-Wachphasenzählwunder.
Mein alter Schrittzähler war zwar etwas beleidigt, dass er gegen einen Jüngeren ausgetauscht wurde, aber ich war einfach zu neugierig auf diese ganzen Zusatzfunktionen, die das Gerät zu bieten hat.
Diese Neugierde wurde aber erst mal gebremst, denn bevor man zackzack sämtliche mitgezählte Stockwerke rauf- und runterrennen kann, muss man den kleinen Fitbit erstmal aufladen und sich registrieren. Fand ich jetzt nervig. Ich will mich nicht irgendwo registrieren müssen, um etwas nutzen zu können. Auch bin ich kein Mensch, der alle paar Minuten auf sein (eh nicht vorhandenes) Smartphone glotzt, um zu sehen, wie der Hase bzw. man selbst so läuft.
Dafür gibts auch ein kleines Display am Fitbit, auf dem man direkt sehen kann, wie viel man läuft. Das fand ich schon wieder gut. Weil:
Mein Fitbit kommuniziert auch anderweitig mit mir. Das wusste ich nicht. Ich habe ihn hochgehoben und auf einmal stand da auf dem kleinen Display „Juhuuuuu Frollein“ und ich habe zu meinem Fitbit gesagt: „Juhuuuuu Fitbit!“ und war gleich ganz fröhlich.
Dann hat er gemeint „Auf geht‘s Frollein“ und ich hab zu meinem Fitbit gesagt: „Jetzt hetz mich so, Fitbit!“
aber als er dann via Display „Stepgeek Frollein“ hat verlauten lassen habe ich dann aber „ Du Zipfelgesicht, Fitbit!“ zurückgemeckert. Also ehrlich, beschimpfen lasse ich mich nicht von einem kleinen Kastl am Hosenbund, was ist überhaupt ein „Stepgeek“?
Ich hab dann gleich mal nachgesehen und ein „Geek“ ist ein Streber. Ich bin also grob übersetzt ein „Schrittstreber“. So ein Schmarrn!
Aber abgesehen davon, dass er mich hin und wieder als Streber beschimpft, wenn ich ihn hochhebe, haben wir schon unseren Spaß. Vor allem diese Funktion, dass der mir sagt, wie oft ich nachts im Schlaf wach geworden bin, hat mich interessiert. Das hab ich aber nur einmal getestet. Und ich kam zum selben Ergebnis wie der Fitbit: 2-mal. Weil ich aufs Klo musste. Das war jetzt keine Überraschung, weil da war ich ja auch wach und wusste, dass ich wach war.
Außerdem wollte ich ja unbedingt noch wissen, ob er mir am nächsten Morgen dann nicht nur sagt, wie oft und wie lange ich wach war, sondern auch per Display mitteilt „Du schnarchst, Frollein!“ oder „Nicht so spät ins Bett, alte Eule, Frollein!“ oder „Wat, noch 3x umdrehen, nix gibts, raus aus den Federn, Frollein!“ oder zumindest „Das hast Du davon, wenn Du kurz vorm Schlafengehen noch einen halben Liter Wasser trinkst, Frollein!“
Nö, nichts, nicht einmal „Stepgeek Frollein!“ Da war ich dann schon enttäuscht und nach dem Versuch hatten wir dann getrennte Schlafzimmer. Schließlich ist er ja auch ein Schritt- und kein Schäfchenzähler.
Aber generell muss ich schon zugeben, dass mich dieses kleine Kastl, das man sich an den Hosenbund klippt, schon motiviert, etwas mehr zu laufen als gewöhnlich. 
Bestes Beispiel: Wenn mein Mister zu mir sagt „Komm, lass uns die Treppen hochlaufen“ sage ich „Pfff“, drücke den Aufzugsknopf, spiele das alte Hase-Igel-Spiel und schreie ihm im oberen Stockwerk angekommen fröhlich entgegen „Ich bin schon da“, während er noch die Treppen hochläuft.
Wenn mir aber mein Fitbit die Stockwerke vorzählt, sage ich „Pfff“ zum Aufzugknopf und laufe die Treppen hoch, so ganz ohne Hase und Igel-Allüren.
Vielleicht sollte ich mir meinen Mann einfach an den Hosenbund knippen, damit er mir dann die gelaufenen Stockwerke vorzählt? Ich weiß jetzt nicht, ob ihm die Idee so gefällt und ob das nicht vielleicht die Nachbarn irritieren könnte, wenn ein großer Mann an meinem Hosenbund hängt und nach jedem Stockwerk 1-2-3 brüllt.
Ich glaube, diese Aufgabe überlasse ich dann doch lieber dem Fitbit.

So, und jetzt muss ich weg, noch ein paar Schritte rumlaufen, nicht, dass dann am Ende des Tages auf dem kleinen Display „Fauler Sack, Frollein, Dir werd ich weiterhelfen“ steht.

Ihr Frollein Stepgeek, das sich von ihrem Fitbit noch ein bisschen durch die Gegend scheuchen lässt