Dienstag, 10. September 2013

Faszination Luftgitarre

Huhu, liebe Leserschaft,

auf meiner Reise durch die interessanten Dinge des Lebens habe ich jetzt ein weiteres Mysterium abgegrast: Die Luftgitarre! Beziehungsweise das Luftgitarrespielen. Bis vor ein paar Tagen konnte ich damit ja so gar nix anfangen, fand es eher immer ein bisschen irritierend, einem Luftgitarrenspieler beim Instrumentieren des nicht vorhandenen Instrumentes zuzuschauen, das war in etwa vergleichbar mit dem Anblick gschaftig dreinblickender Leute, die über Mp3-Kopfhörer telefonieren und aussehen wie durchgeknallte Businessheimer, die vor lauter Überarbeitung angefangen haben, ganz wichtig mit sich selbst zu sprechen.
Und bis Sonntag hatte besagte Luftgitarre noch den Coolnessfaktor einer Blockflöte in Lehrerlieblingsbraun. Aber seitdem...ich muß schon sagen, ein Spaßinstrument!
Kennengelernt habe ich meine persönliche Einstiegsmusikgitarre auf einer 1a-Hochzeit, deren Tanzmusikauswahl aus einem fröhlichen Strauß alter und neuer Goten- und Metalmusikstücke bestand und einer ausgelassenen Goten- und Metalgesellschaft, die sich ungefähr im selben Alter befand und von daher wild stampfend und haareschüttelnd die Tanzfläche bearbeitete, vor allem wenn alte Goten- und Metalklassiker ausgegraben wurden, zu denen man damals noch faltenfrei die Samtlappen bzw. die volle Haarpracht geschwungen hatte. Oder eben die Luftgitarre. Man muß dazusagen, dass der musikalische Zeremonienmeister vier aufblasbare Luftgitarren, zwei davon in rosa!!!, dabei hatte und sie den tanzendem Volk zuwarf, das sich natürlich drum riss, die Gitarre gewordenen Schwimmreifen passend zur Musik zu zerschraddeln und theatralisch auf den Boden zu hauen. Und ich wollte sie gar nicht mehr loslassen, meine neue Tanzbegleitung in rosa mit Ventil, und als die anderen Kinder auch mal damit spielen wollten, habe ich eben mit einer echten Luftgitarre weitergespielt. Und zwar mit Herzblut. Und zwar ganz ohne Alkohol, war nämlich blöderweise die Fahrerin, aber Mr. Blood hatte ordentlich ein bisschen einen sitzen und wußte im ersten Moment nicht, ob er da richtig sieht und es da wirklich seine holde Maid ist, die mit blödem entrücktem Gesichtsaudruck eine imaginäre Gitarre beschraddelt. Da macht man nämlich automatisch ein dummes Gesicht dabei, ist mir aufgefallen, so ein schmerzhaft verzerrtes Metalbassistengesicht, das Pendant zum Schminkgesicht, wenn sich Frauen die Wimpern tuschen und dabei, warum auch immer, den Mund aufreissen. Nur dass man da eben nicht den Mund aufreisst, sondern halt ein Luftgitarrengesicht macht. Aber das gehört nun mal dazu. Auf jeden Fall hat es tierischen Spaß gemacht und ich hab noch so lange Luftgitarre gespielt, bis Nelly the Elephant von den Toydolls gespielt wurde und wir alle unsere O2- Instrumente abgestellt haben, um wie von der Tarantel gestochen auf der Tanzfläche herumzuspringen. War das ein Spaß.
Man muß aber jetzt auch mal die würdige Location für dieses Luftgitarrenkonzert hier lobend erwähnen: Schloß Neidstein, das Schloß, das der Herr Nicolas Cage gekauft und wieder verkauft hat. Der Depp! Wie kann man nur so ein schönes Schloß wieder hergeben. Wirklich. An dem Tag war der Verwalter anwesend und hat meine Frage, ob es denn zufällig angedacht wäre, in diesem Kleinod 2-3- Zimmerwohnungen einzurichten und zu vermieten, leider verneint. Ebenso das Angebot, als Schloßgespenst anzuheuern. Weil als Freiberuflerin ist es mir wurscht, ob ich mein Geld mit Illustrationen, Text oder eben Schloßspukereien verdiene. Aber diese Stelle war zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vakant. Aber ich bleib dran! Und in der Zwischenzeit spiele ich eben ein bisschen Luftgitarre, in rosa. Hurra!

Euer Frollein Luftschloßbaumeisterin, das nicht nur warme Luft zum stinken bringen, sondern darauf auch noch prima Gitarre spielen kann. Ehrenwort!

1 Kommentar:

  1. Ein toller Beitrag. Ich bin begeistert und danke dem Tanzvolk!

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