Donnerstag, 3. Dezember 2015

Skistiefel und Einrichtungszeitschriftenhals

Liebe Leser,

ich hab Fuß! Aua! Einmal nicht aufgepasst, wo man hintritt und schon ist der Fuß angebrochen. Na immerhin nicht ganz gebrochen, aber ich muss trotzdem Ruhe geben. Und einen Skistiefel anziehen. Das trägt man jetzt so. Die Alternative zum Dauergips. Find ich jetzt gar nicht mal so blöd. Tagsüber stiefelt man halt mit einem Skistiefel ohne Ski rum, und abends geht man ganz normal ins Bett und der Skistiefel schläft im Schuhregal. Damit vermeidet man auch den Schreckmoment der Gipsabnahme. Kennt Ihr den? Ich kenn es ja nur vom Hörensagen, aber wenn einem ein Beingips abgenommen wird, dann kommt nicht das Bein zum Vorschein, das man beim Eingipsen reingesteckt hat, sondern ein spindeldürrer haariger weißer Faden, der einmal Dein Bein war. Da schreist Du schon erst mal "Huha!" aber Dank gekonnter Skistiefeleien gibt es keinen Huha-Effekt. Aber viele Haha-Effekte von witzigen Kalauer-Meiern, die einen auf offener Straße darauf hinweisen, dass man die Ski vergessen hat. Spaßbertel! Ansonsten stiefel es sich damit ganz unkompliziert, an der Farbe könnte man noch was drehen,
 kommt halt in Neutralgrau daher, aber da will ich jetzt mal ein farblich passend geschminktes Smokey-Eye zudrücken ;).

Wenn man natürlich nicht wie ein Reh herumspringen kann, muss man sich Alternativen einfallen lassen. Die Alternative heißt in dem Fall: Zeitschriften lesen. Ich habe am Wochenende einen Stapel Einrichtungszeitschriften geschenkt bekommen, die eine da, ich nenne jetzt keinen Namen, es gibt aber nur eine Einrichtungszeitschrift, die gleichzeitig auch Frauenzeitschrift ist und die am Anfang echt gut war. Mittlerweile find ich sie...ja, wie find ich sie? Sie macht mich echt aggressiv. Wirklich jetzt. Weil es immer dasselbe Schema ist: Bloggerbommelmädchen mit Riesenbrille bastelt ein bisschen DIY-ig in ihrer Studentenbude rum und fertig ist das Hipsterhaus nach Schema F.
Ich hab es ja noch nie überrissen. Da werden immer Stühle als ultimatives Designerstück angepriesen, bei deren Anblick ich mir denke "Kenne ich die nicht aus diversen Wartezimmern?" So unspektakuläre Plastikstühle, vielleicht noch in 3 verschiedenen Farben um den Küchentisch vom Flohmarkt gestellt, dazu noch die obligatorische Stehlampe, die den Platz eines ganzen Zimmers einnimmt und unter der man Limbo tanzen muss, um mit selbstgestrickten Cakepops von der Couch (vom Flohmarkt, natürlich selbst gepolstert), zum Shabby-Chic Sekretär, auf dem eine Batterie bunter Flaschen steht, zu kommen. Ich fühle mich unter Druck gesetzt.
Wie machen die Bloggerbommel das, dass die Glasflaschen mit bunten Wiesenblumen immer schön sauber bleiben. Wenn ich bunte Wiesenblumen in eine Glasvase stelle, schmonzt die über Nacht zu und nach 2 Tagen ist da kein Durchkucken mehr.
Es nervt. Die vorgestellten Lofts immer gleicher Pärchen (er Designer oder Architekt, sie Schmuckdesignerin) mit immer gleichen Stehlampen, immer gleichen Sideboards auf denen immer gleiche Dekoartikel vom Flohmarkt stehen und über denen immer gleiche x-verschiedene Bilderrahmen mit immergleichen Drucken hängen, wahlweise Bilderrahmen zum Aufkleben direkt an die Wand darunter- revolutionär.
Revolutionär langweilig. Oder spricht hier nur der Neid aus mir? Weil wenn ich mich umschaue in meiner Weitwegvonhipsterbude sehe ich Wollmäuse verschiedener Größe und Couleur, ein Sack Altpapier, der immer nicht von alleine zur Papiertonne gehen will, ein Stapel Bücher, der nicht mehr ins Bücherregal passt und sich trotz farblicher Sortierung (ja, ich sortiere meine Bücher nach Farben) nicht harmonisch ins Gesamtbild einfügen will, dazu eben noch die Wiesenblume, die fröhlich die Glasvase (nicht bunt) zuschmonzt. Wann wird das mal hip? Ich wär ja ganz vor dabei dann. Frollein Eve, Texterin und Illustratorin mit Skistiefel, in ihrer Stadtwohnung drei Stockwerke unterhalb von Lofthöhe, mit Fenstern mir Vorhängen, kunstvoll arrangierten Wollmausgebilden, natürlich eingefärbten Glasvasen und stylishem Altpapierarrangement in Türnähe. Ich schreib da jetzt mal hin. So als Vorschlag. Aber vorher binde ich meinen Skistiefel noch zum Bloggerbommel. ;)

Euer Frollein gestiefelte Wollmaus







Kommentare:

  1. Gute Besserung,
    meine Mama hatte bis letzten Monat auch so ein Ding weil sie sich den Knöchel gebrochen hatte.
    Nach fast zwei Monaten tragen hatte der Fuss aber trotzdem ganz schön abgebaut. Sämtliche Muskeln waren weg und der Fuss sehr schlank. Denn auch wenn das Ding nachts abkommt, so ist der Fuss ja trotzdem ruhig gestellt.
    Ich hoffe du hast weniger Probleme. Mama konnte auch nach Abnahme erstmal nicht so gut laufen.

    Alles Liebe
    Sophie

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  2. Hallo liebe Sophie,

    vielen Dank :) Der Fuss ist schon fast wieder fit und bei dem Wetter draussen auch schön warm eingepackt :) Laufen läuft auch ;)

    Viele Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit,

    Eve

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